Projekte Schule Kressberg
Schulartverbindende Projekte GHWRS Kreßberg - Fröbelschule Ellrichshausen
Erste Schritte zum Miteinander von nichtbehinderten und behinderten Schülern

Behinderte Kinder und Jugendliche sind häufig von nichtbehinderten Gleichaltrigen getrennt. Gegenseitige Unkenntnis und Vorurteile bestimmen das Verhältnis der Gruppen zueinander und verstärken die Isolation der Behinderten.

Eine 5. Hauptschulklasse der GHWRS Kreßberg, das sind 18 Mädchen und Jungen im Alter von 11 und 12 Jahren, machten sich auf den Weg zu den geistig-behinderten Gleichaltrigen der Fröbelschule Ellrichshausen. Ziel der Begegnung war einander kennenzulernen und durch gemeinsame Aktivitäten die Ausgrenzung zu überwinden.

Baum der Begegnung
Nach wochenlanger Vorbereitung und schriftlicher Kontaktaufnahme wurden am 24. März 1997 die ersten direkten Kontakte geknüpft. Bei der gemeinsamen Vorbereitung eines Osterfrühstücks erlebten sich die insgesamt 28 Beteiligten als gleichberechtigte und gleichwertige Partner. Das positive Gemeinschaftsgefühl fand Ausdruck in einem "Baum der Begegnung", der anschließend als Gemein- schaftsarbeit erstellt wurde und heute im Foyer der Fröbelschule aushängt.

Der "Baum der Begegnung" erinnert die Mädchen und Jungen beider Schulen an einen denkwürdigen Vormittag.



Das "Hohenloher Tagblatt" vom 5. April 1997 widmete im Lokalteil diesem Ereignis eine ganze Seite mit der Schlagzeile:

"Es ist normal, verschieden zu sein".

Dass die gegenseitigen Sympathien über das erste Treffen hinauswirkten, beweisen die folgenden Aktivitäten mit den Fröbel-Schülem:

• das Fußballtumier in Ellrichshausen am 24. September 1997
• der Backtag in der Marktlustenauer Schule am 15. Dezember 1997

Ein absoluter Höhepunkt im Leben beider Schulen war die gemeinsame Zeltfreizeit am Brombachsee im Fränkischen Seenland. Vom 13. - 15. Juli 1998 erlebte man hautnah die Stärken und Schwächen der anderen. Nicht weniger als 22 bunte Zelte standen direkt am Seeufer. Man wetteiferte mit Ideen für kulinarische Genüsse, denn selber kochen war angesagt. Dazu kam eine Wanderung um den Kleinen Brombachsee herum, Tretbootfahrten, zwei Zeltabende und Spiele. Ein Zusammenstoß mit alteingesessenen Campern, die sich in der Nähe "solcher Art von Kinder" unwohl fühlten, stärkte noch mehr das Wir-Gefühl. Daheim überwogen eindeutig die positiven Erkenntnisse:

" Behinderte können sich ganz toll freuen."
" Sie halten zusammen und helfen sich gegenseitig."
" Sie stellen viele Fragen, weil sie alles wissen wollen."

Die Verbindung lief und läuft weiter über gelegentlichen Briefwechsel, gegenseitige Besuche bei den Schulfesten und spontane oder organisierte Begegnungen.

Die Zusammenarbeit zwischen nichtbehinderten und behinderten Schülern fand Anerkennung auf höchster Ebene. Im Rahmen des Schülerwettbewerbs "Tue was - gestalte mit!" wurde die Kreßberger Klasse für ihre herausragende Initiative und ihr außergewöhnliches Engagement geehrt. Auf Einladung des Kultusministeriums fuhr am 21. November 1998 die jetztige Klasse 7b mit ihrer Klassenlehrerin Frau Fugel-Schuster und den Freunden aus der Fröbelschule zu einem offiziellen Empfang nach Stuttgart. Hr. Staatssekretär Rudolf Köberle und der Vorsitzende des Vorstands der Wüstenrot Holding Hr. Dr. Gerd Haller bedankten sich persönlich bei jedem Beteiligten. Der Stolz auf diese Auszeichnung ist berechtigt. Die Fernsehsendung "BW aktuell" vom SWF berichtete von der Siegerehrung und das "Hohenloher Tagblatt" vom 26. November 1998 brachte dazu den Artikel: "Vorurteilen mit Power begegnet".

Nicht die öffentliche Anerkennung ist die Triebkraft der gemeinsamen Aktivitäten. Spaß und Freude, die gegenseitige Wertschätzung werden auch in Zukunft zu interessanten Aktionen fuhren. Wir wollen damit zeigen, dass Behinderte nicht Fremde, sondern Freunde sind.

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